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... und ein bisschen Satire

 

Aus dem Leben eines
I d e a l i s t e n

Verehrte Webseiten-Besucher, liebe Leser, seit Ende des Jahres 2010 habe ich, Rüdiger N. Aboreas, das 60. Lebensjahr erreicht. Ich denke, dass es da erlaubt sein sollte, schon einmal Rückschau zu halten. Nein, nicht in einer strengen zeitlich geordneten Biografie, sondern ungeordnet, je nach Laune und Intuition.Hier mal ein Bröckchen, dort mal ein Becherlein. Es Lesen sie weiter.

 Folge 3 - Harzer Impression.

Ölbilder, Aquarelle, Raku-Keramik - Horst Stockdreher lädt ein zur Vernissage am 2. De- zember 2011 um 20:00 Uhr in die Galerie DulsArt. Werkstattgespräch am 7. 12. um 19:00 Uhr

KulturStammtisch:
8. 12., I9:00, dulsArt

Der Dulsberg lebt auf und feiert die    E R Ö F F N U N G des café dulsBerg Straßburger Platz 9 - 22049 Hamburg am 1. Dezember, 11:00 Uhr.

Stramme Denker
 Vierteljahrestreffen im Mai
Endlich: Der Bericht

     Nachdem der Vorstand im letzten Quartal jeden Bericht über die Versammlung untersagt hat, soll diesmal alles besser werden. Die deutschen Internet-Surfer dürfen sich freuen, denn, ich, aboreas.de, habe die exklusiven Berichterstattungsrechte ergattern können.
     Aus der Einladung: Auch dieses Mal hat der Vorstand einen Extra-Gast verpflichten können. Es handelt sich um keinen geringeren als Darius Durchblick, den bekannten Hellseher aus der ARD-Serie Blindenstraße. Er ist es gewesen, der jedes Jahr den Frühling voraussagt und immer Recht behalten hat.. Unvergessen, wie er bei „Wetten heute“ eine Wette prophezeite. Dann das berühmte Experiment, in dem er vor laufenden Kameras auf einem Kartoffelacker eine Kartoffel geerntet hat. Darius Durchblick hat zugesagt, exklusiv für die Strammen Denker eine Prognose zur Globalisierung abzugeben. Die ganze Einladung.

Thema: Globalisierung.
1. Teil: Brötchen oder Fladenbrot? Haue für den Wahrsager. Zwei unversöhnliche Fraktionen. Aber immerhin: Durst gelöscht.    Lesen Sie exklusiv:

Info:
Die Einladung

Vorweg die Entschuldigung für den verspäteten Bericht über die Mai-Sitzung der Strammen Denker. Entgegen allen Zusagen hat der Vorsitzende Theodor Sommerlatte die Berichterstattung über die Tagung zum wiederholten Male verhindern wollen. Ich habe ihn schärfstens daran erinnern müssen, dass die Strammen Denker inzwischen zu einer philosophisch-politischen Institution in Deutschland geworden sind, auf deren Ideen die Menschen des angehenden 21.Jahrhunderts nicht verzichten können. Bescheidene Worte meinerseits, die der Gehirn-Titan Sommerlatte schließlich doch zu würdigen wusste. Nachfolgend nun der erste Teil des autorisierten Berichtes über die Mai-Sitzung der Strammen Denker. Thema: Globalisierung.

Dem kundigen Beobachter war seit langem klar, dass die Strammen Denker uneins sind. Mehr noch: Sie sind einander spinnefeind, bekriegen sich auf geradezu metzelnde Weise. Doch der Reihe nach: Wie sich herausgestellt hat, sucht die Fraktion der Globalisierungsfreunde gerade im Ideal des Zusammenrückens der Völker so etwas wie ein Schöpfungsziel. Ach was, das sei doch nur ein ideologisches Schöpfungsziel, kritisierten die Gegnern sarkastisch. Eine Kritik, die die Globalisierungsfans freilich kalt ließ. Die Globalisierung und damit vor allem auch die weitere Ausweitung der EU, so betonten sie, sei die Rückkehr der Menschen ins Paradies; eine Reise zu jenem Ort also, an dem alle gleich, brüderlich und unschuldig seien. In diesem Zustand könnte die gesamte Menschheit unterschiedslos die gleichen Brötchen kaufen. „Was man draufschmiert, erklärte die bekannte Globalisierungstrommlerin Thea Wetterschön, „bleibt ja jedem selbst überlassen.“ Ihren Widersachern den Wind aus den Segeln nehmend, fügte sie an: „Bei der heutzutage üblichen Auswahl beim Belegen der Brötchen kann also von Gleichmacherei keine Rede sein.“

Die Kritiker der Globalisierung hatten sich am rechten Flügel des Konferenzsaales niedergelassen. Für sie ist die Globalisierung ein „Schmelz der Völker“, nicht mehr als eine Weltvermanschung: eine Art Rumkugel, zusammengebatscht aus den Kuchenresten der Evolution. Für eine Rumkugel aber, behaupteten die Kritiker, brauche es keine handwerkliche Ausbildung mehr. Vermanschen könne jeder. Sie monierten: Auch der Beruf des Bäckers werde überflüssig. Immergleiche Brötchen könne jedermann an jedem Ort unseres Globusses backen. 

Es war Sommerlatte, der die zentrale Klammer erkannte, die die Kontrahenten trotz alledem verband. Denn, so der Verstandesmensch, „da im Endzeitparadies der Globalisierung offenbar alle Menschen das gleiche essen und lieben, wie etwa Brötchen, Autos oder schöne Frauen/Männer, ist jede Unterscheidung überflüssig, auch die zwischen Globalisierungsgegnern und Globalisierungsfreunden. Doch der erwartete Beifall blieb aus. Denn niemand wollte ernsthaft auf die eigene Identität verzichten, auch nicht in hundert Jahren, eher schon heute auf die Identität seiner Widersacher, niemals aber auf die eigene.

Dann griff die unvermeidliche Thea Kornbier, Hobbybiologin und anerkannte Genießerin von fremdländischem Öko-Getreide, mit voller Breitseite in die Debatte ein. Ihr Protest galt einem kulturellen Brötchendiktat. „Warum“, so fragte sie, „sollen alle Menschen Brötchen essen. Es könnte doch auch Fladenbrot sein.“ Dies gebe es schon viel länger in den verschiedensten Kulturen und sei viel verbreiteter als die fiesen westeuropäischen Brötchen. Außerdem würde man auf diese Weise verhindern, die Nichteuropäer kulturell zu überfremden.“ Ihr zur Seite sprang Herbert Rückblick. „So weit ich informiert bin“, erklärte er, „wurden die Brötchen gar nicht von den Deutschen oder Europäern erfunden, sondern von den Hunnen. Die Kreuzrittern haben sie auf einer Diebestour vor Konstantinopel gestohlen. Ein folgenschwerer Kulturraub sozusagen. Soll übrigens eine heftige kleine Stecherei gewesen sein, damals, bei der die Kreuzträger unehrenhaft mit Sand und Eselskacke geworfen haben.“ 

Überwiegend Zustimmung für Thea Kornbier kam auch von Nils Freibrägen. Niemals, so der anerkannte Liberiale, dürfe es für die mit Hilfe der Globalisierung befreiten Völker eine neuerliche koloniale Unterdrückung geben, ergo auch kein Brötchendiktat. Allein jenes Produkt dürfe zur Disposition stehen, für welches die größte Nachfrage bestehe und das am kostengünstigsten sei. Egal, worum es sich dabei handele, auch wenn es Eselkacke oder Rumkugeln wären.   

Noch während Herr Freibrägen sprach, erhob sich der Protest der Globalisierungsgegner, die übrigens auf der Stelle den „Freundeskreis des deutschen Brötchens“ gründeten. „Rumkugeln“, so versicherten sie später einhellig, „würden man nur gelegentlich, und dann ausschließlich zum Nachtisch oder zum Kaffee essen. Aber nicht jeden Tag, als nationales Grundnahrungsmittel sozusagen.“

Dann kam es zum Eklat. Kaum war Nils Freibrägen aufgesprungen und hatte zum wiederholten Male unter dem Beifall der Globalisierungsfreunde vehement für die billigste Variante gestritten, holte Eduard, der Sachse, mit seiner rechten Pranke aus und warf das ersten Brötchen auf den Billigmacher. Dabei handelte es sich um einen Pausensnack, der mit Ziegenkäse bestrichen war. Zack, schon prallte das Wurfgeschoss gegen Nils Freibrägens Schulter. Daraufhin zog die streitbare Thea ein Stück Fladenbrot aus dem Rucksack, klappte es auf, sprang über den Tisch und verrieb den Belag im Gesicht des Brötchenwerfers. Was für eine Verschwendung, denn die Weizenstulle war mit leckerer türkischer Knoblauchwurst belegt.    

Um das in Fahrt gekommene Unglück aufzuhalten, versuchte Theo Sommerlatte zu schlichten. So dürfe man sich die Globalisierung nicht vorstellen, sagte er in der Hoffnung, die Vernunft auf seine Seite zu ziehen. Doch heftig und schadenfreudig johlten die Globalisierungsfans, noch heftiger jedoch brüllten die Globalisierungsgegner zur Attacke. Keine Minute war vergangen und eine muntere Prügelei belebte die so wichtige Debatte.

Nicht lange, dann sah sich der Vorsitzende gezwungen, den Schlichter um Hilfe zu bitten. Knut erledigte seinen Job wie ein Profi. Ein Pfiff, schon wusste der Wirt, dass eine Runde für alle anstand. Schließlich griffen Knuts Pranken zu. Ein Arm fast ausgekugelt hier, ein Bein fast abgedreht da. Immer bis an die Grenze gehend, streckte der brave Schlichter vier der Hauptakteure zu Boden. Dann, unter den Klänge von „We are the Champions“ ging es zurück an den Tisch, man hob das Glas und ließ das lecker kitzelnde Doppelkörnchen durch den Schlund fließen.

Zum Herunterkühlen der Gemüter folgte eine kurze Pause, die zum Anstoßen mit diversen Getränken genutzt wurde. Nach einer kurzen Beratung mit dem Wirt, der wegen seines Mobiliars in großer Sorge war, beschloss der Vorstand zur weiteren Entspannung den Ehrengast, Wahrsager Darius Durchblick, auftreten zu lassen.

Plötzlich herrschte wieder Eintracht im Saal. Denn ausnahmslos wollten die Anwesenden wissen, was man denn nun in einer globalisierten Welt wirklich essen würde: Brötchen oder Fladenbrot. Doch Darius Durchblick schien nicht geneigt, aufzusteigen auf dieses Streitthema. Allzu genau hatte er beobachtet, wie gefährlich es in dieser feinen intellektuellen Gesellschaft sein konnte, eine unerwünschte Meinung zu vertreten. Nervös wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Böse Zungen behaupteten später, es wäre Angstschweiß gewesen. Am Vorstandstisch nahm er erst Platz, nachdem Knut, der Schlichter, zugestimmt hatte, an seiner Seite zu bleiben. So beschirmt bestellte auch der Wahrsager einen Wodka. Ein randvolles Wasserglas, das er rasch herunterstürzte. Spätestens jetzt war sich auch der letzte Stramme Denker sicher, mit dem Propheten Darius eine gute Wahl getroffen zu haben.

Nur dem unkundigen Beobachter hätte der Eindruck entstehen können, dass es der Wodka gewesen wäre, was den Wahrsager der Länge nach auf den Tisch gezwungen hatte. Den anwesenden Denkprofis freilich kam nicht der geringste Zweifel am Charakter der Ruhestellung. Für sie handelte es sich um Meditation! Mehr noch: im hochprozentige Meditation. Was hatte das Leben Wirksameres zu bieten? Also wartete man geduldig auf das Ende der Entspannungsübung. Doch irgendwann freilich wird jedem die Zeit zu lang. Und so begannen die Erwartungsvollen laut zu zählen: „10, 9, 8, 7, 6, 5,4 …“ Plötzlich hob Darius den Kopf. Irgendwie schien es, als rätselte er, wohin es ihn hier verschlagen hatte. Verwirrt sah er sich um. Dann, mit geweiteten Pupillen, verlangte er, dass man sein Glas fülle. Es sollte eine der letzten freundlichen Gesten sein, die man ihm zukommen ließ.

Die Versammelten prosteten ihm zu. Dann erhob sich die vielstimmige Aufforderung: Sprich endlich und erkläre uns, was die Menschen in der globalisierten Zukunft essen werden? Brötchen oder Fladenbrot?

Endlich, Darius, der Wahrsager, räusperte sich. Doch, es schien, dass er sich zu mehr nicht durchringen mochte. „Was? Mehr als diese unartikulierten Geräusche wollte Darius nicht herauslassen aus seinem geweihten Mund?“ Drohend umkreiste die Versammlung den Wahrsager. Der hob abwehrend den Arm und lenkte ein: „Ich bin so weit“, versicherte er. Aber zu meinem größten Bedauern muss ich euch mitteilen, dass mir ein undurchdringlicher Nebel die Sicht versperrt. Ich sehe einen Tisch, ich sehe Menschen, die daran sitzen und ausgiebig speisen und trinken, aber ich kann nicht sehen, was sie essen.“

Da erhob sich ein großes Murren. Finstere, drohende Blicke richteten sich auf den Wahrsager. Das vereinzelte Hüsteln aus den Reihen der Neugierigen erschien ihm wie eine erste Böe, die einem Hurrikan vorausgeht. Rasch ergriff Darius das Wort: „Holla! Jetzt ist es weg, das hinderliche Tuch“, erklärte er, und: „Hallo, hallihallo, was sehe ich denn da schönes? Das, äh, das ist ja ein ganzes Menü, das die Menschen verputzen.“ Wieder entstand Unruhe. „Himmel, Arsch und Zwirn!“, schimpften einige Ungeduldige, „jetzt verrate uns endlich, was es in hundert Jahren zu essen gibt?“ Da versank Darius wieder in seiner Trance und starrte ins Nichts. Plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, riss er abermals die Arme hoch. „Endlich, ich sehe es!“, rief er, „es gibt „Kartoffelpuffer mit Gemüsepizza und Hammelbraten.“

Diese Voraussage stellte verständlicherweise niemanden wirklich zufrieden. „Brötchen oder Fladenbrot?“ So hatte die Frage gelautet. Laut und drohend stand sie im Raum. Wieder räusperte sich der Wahrsager. Dann, wie gehetzt, antwortete er: „Fladenbrötchen.“ Das war nun wirklich die falscheste Antwort, die er hätte geben können. Schnell noch ein Schluck aus der Pulle, dann zeigten die Strammen Denker, was es bedeutet, sie zu verscheißern. Fünf Minuten später saß der Wahrsager in einem Taxi und sagte dem Fahrer korrekt voraus, dass seine nächste Tour auf geradem Wege in die Notfallklinik führen werde.

Dem enttäuschenden Auftritt des Wahrsagers folgte eine Pause, die zum Löschen des allseits stechenden Durstes genutzt wurde. Anschließend, auf Anregung des Vorstandes, einigte man sich darauf, in Arbeitsgruppen weiterzumachen: 1. Gruppe: Brötchen oder Fladenbrot für alle. 2. Gruppe: Werden sich alle Menschen dieser Erde auch etwas zum Belegen des Fladenbrotes oder des Brötchens leisten können. 3. Gruppe: Macht die Globalisierung glücklich?

Über die Ergebnisse dieser Beratungen werde ich demnächst berichten. In der Hauptsache aber über Tagesordnungspunkt 3, da er die ersten beiden einschließt.

PS: Der Tagesordnungspunkt „Toilettenhäuschen links und rechts des Rathauseingangs“ musste aus Zeitmangel und diverser anderer Mängel auf die nächste Sitzung vertagt werden.