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... und ein bisschen Satire

 

Aus dem Leben eines
I d e a l i s t e n

Verehrte Webseiten-Besucher, liebe Leser, seit Ende des Jahres 2010 habe ich, Rüdiger N. Aboreas, das 60. Lebensjahr erreicht. Ich denke, dass es da erlaubt sein sollte, schon einmal Rückschau zu halten. Nein, nicht in einer strengen zeitlich geordneten Biografie, sondern ungeordnet, je nach Laune und Intuition.Hier mal ein Bröckchen, dort mal ein Becherlein. Es Lesen sie weiter.

 Folge 3 - Harzer Impression.

Ölbilder, Aquarelle, Raku-Keramik - Horst Stockdreher lädt ein zur Vernissage am 2. De- zember 2011 um 20:00 Uhr in die Galerie DulsArt. Werkstattgespräch am 7. 12. um 19:00 Uhr

KulturStammtisch:
8. 12., I9:00, dulsArt

Der Dulsberg lebt auf und feiert die    E R Ö F F N U N G des café dulsBerg Straßburger Platz 9 - 22049 Hamburg am 1. Dezember, 11:00 Uhr.

Wenn die Kunst   -   die Wirklichkeit
nicht wirklich beschreibt    -   dann wird die Wirklichkeit
zu einem   -    künstlichen Kunstwerk.
C = aboreas 12/2002

Kleine Auswahl   zum Stöbern:

Aus: T. Rohrer, U. Eickenberg, SPAß BY SEITE, Poesie-Antologie der Leselupe, ISBN 3-935982-5

                   Vergänglich
Zwei Autos, die parkten am Wegesrand:
Ein Volvo, ein Daimler – schon altbekannt.
Sie zänkelten, prahlten und blafften sich an.
Da hupte der Daimler, versicherte dann:
„Ich war einst zu Hause in Blankenese,
mein Herr aß nur Austern und Öko-Käse,
dazu trank er Wein und betörte die Frauen.
Er ließ sich ein Schiffchen zum Segeln bauen
und grüßte mit Freuden die Elbchaussee -
nur Volvos am Wege, die taten ihm weh.

Da kochte der Volvo, geriet fast in Brand,
versicherte, ihm sei der Fahrer bekannt:
Sein Käse sei stinkig wie Harzer Roller
und dumm sei der Kerl wie ein Straßenpoller.
Das Schiffchen, das habe nach Fisch gestunken
und sei doch bestimmt schon am Kai gesunken.
Der Daimler bestünde aus Billig-Blech,
gewiss nichts Besondres, nur grottenfrech!“

“Ich aber“, verriet er, „war König hier.
Mein Herr trank Champagner, kein Billig-Bier.
Er tronte auf Seide und Tüll am Steuer,
verziert von Brillianten, unmenschlich teuer.
Es duftete süßlich nach Rosenholz,
ein Auto, ein Volvo, so göttlich, so stolz.“

Auf einmal, in frühester Morgenstunde,
fuhr knatternd ein Polo die erste Runde.
Und mit ihm kam schleichend das Tageslicht.
Da drohte der Benz dem früh störenden Wicht:
„Du billiger Stinker, du Schachtel auf Rädern,
du kopfloser Spatz ohne Flügel und Federn,
verschwinde, du Wanze, ich jag dich sonst fort.“

Es fiel ihm der mächtige Volvo ins Wort:
„Die Autos von heute - ein schlimmes Los,
verbrauchen auf Hundert sechs Liter bloß.
Ihr Leib wirkt so mickrig, wie auf Diät,
die leben nicht lange, die Mode vergeht...“

Ein kreischiges Schmatzen zerriss jäh die Nacht.
Schrill hupte der Volvo, ein Kran hob ihn sacht.
Dann fiel er vom Haken, direkt in die Presse.
„Häh, häh“, rief der Daimler, „jetzt gibts auf die Fresse!“
Doch ohne Verspätung, so zwanzig nach sieben,
war auch von dem Daimler nur Schrottwert geblieben.
Sein Würfel erreichte die Schmelze um Acht.
Sogleich griff die Glut nach der einstigen Pracht.

                                                     Rüdiger N. Aboreas

Blicke

Ein Blick = Illusion

Zwei Blicke = Sekundenkleber

Hundert Blicke = Erkenntnisgeber

Tausend Blicke = Erosion

© Rüdiger N. Aboreas, 2006

Das Kunstwerk

Ein Künstler aus dem Kunstverein
hockt still vor einem Busche.
Er guckt in eine Grotte rein
und malt sie dann mit Tusche.

Und später in der Galerie,
da stutzt ein Kunstexperte.
Er fragt sich, ob die Frau Marie
dem Künstler etwas lehrte.

Der Laie staunt und wundert sich,
steht ratlos vor der Wand.
Er sagt: "Die Grotte ängstigt mich."
Dann ist er weggerannt.

Doch hunderttausend kommen bald,
das Kunstwerk zu besehen.
Auch suchen sie im dunklen Wald
den Grund für sein Entstehen.

Die Fachwelt bietet sehr viel Geld,
die Reize zu ergründen.
Da meldet sich die Unterwelt,
es schimpft der Herr der Sünden:

"Ein Bild, das keinen ruhen lässt,
das Tausende anbeten,
entsteht, wenn man es unterlässt,
die Grotte zu betreten."

© Aboreas, 1998

Im Grunde

Vom Moos der Jahre ruht bedeckt
die kühle Unvergänglichkeit,
wo man aus abgelebter Zeit
noch die Empfindungsspuren schmeckt.

Hier, wo die Eitelkeit zerspringt
und sich Gerüche kristallieren,
wo Leiden ihre Kraft verlieren
und auch die Leidenschaft verklingt,

hier formen sich in einem fort
Skulpturen aus schon toten Träumen
zu einem musealen Ort.

Wer mutig ist, darf nicht versäumen,
gelegentlich hinabzusteigen,
- sich vor sich selber zu verneigen.

© aboreas, 2002

Empfindung

Sanfte Begierde, die
stumm und verhalten
über die
schuldigen Hügel
eines verträumten Strandes
in der auf-
gehenden Sonne
eines großen Gefühls
tanzt.

Tastende Finger, die
unstet
in der treibenden
Schwüle
zwischen dem
spärlichen Bewuchs
einer sanft abfallenden
Dünung
nach Halt suchen.

Krampfenden Hände, die
in der auf-
schäumenden Springflut
des Verlangens
hilflos und ver-
gebens nach dem
rettenden
Atem der Besinnung
Greifen.

Schwerelose Seelen, die
nach
der befreienden
Durch-
Mischung der Elemente
In der Stille der
Nacht
Neue Lebenskräfte
sammeln.

C = aboreas 1998

Lebenshilfe…

Schon immer hofften Chris und Kalle
auf Lebenshilfe durch Kristalle.
Sie suchten diese feurig-klaren
auf Messen und auf Fachbasaren.
 

Auf blauem Samt entdeckten sie,
was Kenneraugen Glanz verlieh,
und feilschten, boten ohne Maßen
viel mehr, als sie real besaßen.
 

Vergeblich, wie sich bald erwies,
weil sich der Stein nicht kaufen ließ.
Doch Chris und Kalle wollten nicht
verzichten auf das Funkellicht.   
 

Im Dunkeln schlichen sie zurück
und stahlen weg das gute Stück.
Es sollte nur noch ihnen nützen,
zuerst jedoch - vor Strafe schützen.

C aboreas, 9/2004

Bei Meiers - 1. Akt                               

Sonntagmorgen

An einem Sonntag, wie gewöhnlich,
da wird Herr Meier plötzlich geil.
Er nimmt den Umstand höchstpersönlich,
betrifft er doch sein bestes Teil.
 

Ein stolzer Blick auf die Erregung,
dann ist es Eile, die ihn lenkt -
bevor noch vor der Bettbelegung
das gute Stück sich wieder senkt.

Er bringt der Frau die frohe Kunde,
erinnert an den guten Brauch,
dass sie ihn küsst mit feuchtem Munde
zuerst auf seinen spitzen Bauch.
 

Frau Meier ist davor nicht bange.
Sie hat sich niemals quer gestellt.
So dauert es nicht allzu lange,
bis auch das rosa Leibchen fällt.
 

Die Suppe lässt sie weiterköcheln,
und auch im Herd die Entenbrust.
Sie weiß: Ruckzuck! Nach einem Röcheln
verlässt Herrn Meier stets die Lust.

c = aboreas 2003

Bei Meiers - 2. Akt                          

Dienstagabend

An einem Dienstag, immer wieder,
wird endlich auch Frau Meier geil.
Die Lust schwillt an, kriecht unters Mieder
und schreit nach eines Mannes Teil.
 

Frau Meier winkt, zeigt ihre Brüste,
lockt ihren Mann als Nackedei,
Doch kalt wie eine Marmorbüste
bleibt ihm ihr Schauspiel einerlei.
 

Und wieder kann sie nichts erzwingen,
seit dreißig Jahren geht das so.
Bleibt nur die Hoffnung aufs Gelingen
vielleicht ein bisschen anderswo.
 

Frau Meier schleicht zur Wohnung raus
und klingelt bei der Nachbarin.
die weilt zwar mittwochs außer Haus,
doch sitzt ihr Ehemann noch drin.
 

Der nette Herr kennt seine Pflicht
und lässt die Zeitung ungelesen.
Was dann geschieht, bei Kerzenlicht...
Na und? Da ist doch nichts gewesen!
 

Ist sie dann unbemerkt zurück,
ganz lieb, in aufgeräumter Frische,
bereitet sie Herrn Meier Glück -
mit einem Bier am Küchentische.

C = aboreas 2004

 

Bei Meiers - 3                        

Jahre später 

Es ist, mal wieder, Sonntagmorgen
in reifen Jahren ohne Sorgen,
als etwas sich verändern sollte,
obwohl es niemand wirklich wollte.
 

Frau Meier, die, in Küchenschürze,
den Braten wälzt in Flüssigwürze,
wird plötzlich unbehaglich, weil
ihr Mann nicht ruft, er sei jetzt geil.

Schon viele Tage geht das so,
kein Kuss, kein Streicheln übern Po,
kein Drang, das Prachtstück vorzuzeigen,
nur schlaffes, seelenloses Schweigen.
 

Frau Meier ist ganz durcheinander.
Und während filetierter Zander
am Abend in der Pfanne brät,
erscheint der Nachbar - und verrät:
 

Gewartet habe er die Nächte,
gefragt, wo sie die Zeit verbrächte...
“Daheim!“, erklärt sie ungehemmt -
„weil meinem Liebsten etwas klemmt.“
 

Da kratzt der Nachbar sich am Ohr,
rät zur Massage, noch bevor
ihr Mann sich dran gewöhnen kann,
und bietet ihr ein Training an.
 

Sie willigt ein, übt nach dem Putzen
zuallererst den Mund zu nutzen.
Und denkt bei dieser Raffinesse:
„Das ist, als ob ich Schaschlik esse...“
 

Frau Meier dankt für all die Güte
und sie beschließt, tief im Gemüte,
nach Wochen voller Übungsstunden
zur Tat zu schreiten, unumwunden.
 

Sie schlüpft am Sonntag in den Kittel -Gewohnheit ist ja auch ein Mittel -,
dann drückt und rubbelt sie und presst
und reibt und zieht - behutsam, fest.
 

Herr Meier denkt sich, als er spürt,
dass diese Kur zum Ziele führt:
„Warum hat sie es unterlassen,
mich früher schon so anzufassen?”
 

Danach gönnt er sich einen Schnaps,
bedenkt die Frau mit einem Klaps.
Frau Meier strahlt, trinkt Apfelsaft,
zum Wohl - der guten Nachbarschaft.

C = aboreas 2004

 

Reife

Einst schuf ein fleißiger Poet
ein Werk, das jedermann versteht.
Er sah den Menschen ins Gemüt,
wo alles grünt und duftend blüht.

Er horchte tief ins Selbst hinein
Und filterte den schönen Schein.
Er suchte stets den letzten Sinn
Bis weit zurück zum Anbeginn.

Gewitzt und voller Phantasie
in schnörkelloser Poesie,
stets locker, ernsthaft und behende
gelang ihm Großes ohne Ende.

Ob traurig oder feurig, spritzig,
verzagend oder drängend, hitzig,
stets förderte die Stimmungslage
das nächste Wort, die nächste Frage.

Gefühl, das war ihm Elixier
nicht nur gedichtet auf Papier.
Es schenkte ihm die Gunst des Weibes
und er genoss den Schrei des Leibes.

Bald saß er oben auf dem Gipfel
und überblickte höchste Wipfel,
ließ sich umwehen von den Düften
des Empfindens in den Lüften.

Genüsslich nahm er Witterung.
Da spürte er Verbitterung.
Gekitzelt ließ er sich drauf ein
und schmeckte sie wie guten Wein.

Ein Duft, so zuckerwattenbitter,
der dann entsteht, wenn ein Gewitter
zwar lautstark blitzt und kracht und
                                           klingt,
nicht aber die Entspannung bringt.

Er hat zuviel davon genossen
und wurde durch und durch verdrossen.
Die Verse fanden keinen Sinn,
die Selbstgewissheit war dahin.

Der Abstieg von den Tempelhöhen
im Dunkel wüster Seelenböen
ließ den Poeten dumpf begreifen:
So wie ein Vers -
muss auch der Dichter reifen.

C = aboreas 1996

 

 

Angebot und Nachfrage

Wenn eine Aktie emittiert,
versammeln sich die Geldgewandten.
Wenn ein Gerücht das Maul passiert,
dann grüßen sich die Denunzianten.

Die einen fragen nach Bilanzen,
nach dem, was die Geschäfte stört.
Die andern lauern wie die Wanzen
auf den, der zum Gerücht gehört.

Sind Börsenkurse schlicht notiert,
für jedermann leicht einzusehen,
ist die Verleumdung ziseliert
oft nur im Dunkeln zu verstehen.

Der Aktionär erlöst Gewinn,
den Kursanstieg, die Dividende.
Dem Denunzianten steckt was drin,
es kitzelt ihn in Hals und Lende.

Sie mögen grundverschieden sein,
doch folgen sie den Marktgesetzen:
Ihr Wert stellt sich durch Bieten ein,
ja, auch beim nachgefragten Petzen.

© aboreas, 2003