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Februar 2005
Hingeschaut Speicherstadt und Hafencity
Fortsetzung:
Sogar eine eigene U-Bahnlinie soll gebaut werden. Nun, letzteres scheint mir nicht unbedingt erforderlich. Von der U-Bahnstation Baumwall aus war ich gerade mal fünf Minuten unterwegs. Wie lange wohl die Bewohner Bramfelds, insbesondere Steilshoops zu Fuß zur nächsten U- oder S-Bahn-Haltestelle benötigen? Na ja, vermutlich haben sie überdurchschnittlich große Füße. Warum sonst hätte man die dorthin geplante U-Bahn zugunsten der Hafencity-Linie zurückstellen sollen?
Brühwürfel? Nicht zu glauben. Immerhin darf man unterstellen, dass es sich bei der Gestaltung der Hafencity und ihrer Bindestellen zu angrenzenden Stadtteilen auch um Präferenzen von Senat und Verwaltung handelt. Die wollte ich mir genauer angucken. Was ich dann an halbwegs fertig gestellten oder im Bau befindlichen Gebäuden zu sehen bekam, waren tatsächlich einige klotzähnliche Bauten, fein säuberlich in die Reihe gestellt. Allerdings erinnern mich einige der Häuser eher an die rustikale Legostein-Architektur aus der Kinderzeit. „Legoland“ mit Glasbausteinen. Was soll’s, Geschmäcker sind eben verschieden. Auch um die wenig ansehnliche City Nord soll es ja mal eine große Begeisterung gegeben haben.
Persönlich sind mir die Bauten übrigens ziemlich gleichgültig. Ich werde ohnehin nicht in die Hafencity umsiedeln. Dafür fehlt mir einfach die erforderliche Knete und mangelt es mir an psychischer Kompatibilität. Außerdem bekommt die Hafencity für meinen Geschmack viel zu viele Wasserkanten. Gar nicht auszudenken, wenn man nachts nach Hause käme, bierselig etwa von einer verschärften Sparclubfeier in der Dulsberger Stammkneipe. Nein, viel zu gefährlich, der Heimweg.
Was mich allerdings wirklich stört, ist die unmittelbare Nähe zur altehrwürdigen, unter Denkmalschutz stehenden Speicherstadt: gerade mal eine Straßenbreite entfernt. Schlimm! Das passt nicht zusammen. Nicht einmal, wenn man den baulichen Gegensatz als gewollten Kontrast verstünde. So wie es jetzt aussieht, ist und bleibt die Gegenüberstellung der Baustile einfach zweifelhaft. Ich wage zu behaupten, dass so etwas vor 20 Jahren kaum durchsetzbar gewesen wäre. Dagegen lassen die größeren, nicht ganz so neuen Bauten von der Kehrwiederspitze bis zum Kehrwiederstieg durchaus das Bemühen um eine bauliche Anpassung an die Speicherstadt erkennen. „Es geht doch!“, könnte man auf Neudeutsch sagen, so wie es in vielen städtischen Räumen, gerade auch im Bereich der Innenstadt, wunderbar gelungen ist. Warum also nicht hier?
Ich habe die neuen Hafencity-Gebäude nicht geschmeckt, aber dass ein Brühwürfel etwas durchaus Angenehmes sein kann, sollte klar sein. Klar ist wohl auch, dass die Gebäude in ihrem Innern traumhafte Wohn- und Arbeitskultur garantieren. Auch das Gesamtensemble der Hafencity wirkt abseits der Speicherstadt en miniatur und auf Zeichnungen durchaus reizvoll. Doch bedenken sollte man, dass schon so manch Heiratswilliger zu guter Letzt lieber das vorausgeschickte Foto seiner Liebsten geehelicht hätte als das leibhaftige Original.
Womit ich ganz und gar nichts gegen die geplante Philharmonie auf dem Kaispeicher A sagen will. Sie ist städtebaulich durch und durch genial. Sie steht für sich, über allem thronend, einsam und erhaben. Ein hanseatisches Neuschwanstein
C = aboreas, Februar 2005
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