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führen. Stürmische Kinder, erwachsene Frauen und Männer, fahruntüchtige Idioten, unberechenbare Rennfahrer, Pirouettendreher, jedenfalls, was ich so gesehen habe, wenn ich mal rüber zum Platz bin, um die kostenlosen Toilettenwagen zu bewässern.
Also, das muss man sich dann so vorstellen: Frida und ihre Kolleginnen tun den letzten Cent abdrücken, um sich Schlittschuhe leihen zu tun. Dann geht‘s aufs Eis, um als erstes eine verschärfte Polonäse aufzulegen. Doch anstatt dass die übrigen Eisbahnnutzer sich der fröhlichen Reihe anschließen, flüchten die meisten, doch ein kleiner Rest, oft junge Männer auf ihren Schlittschuhen, scheint die lustige Formation zu ignorieren. Tumulte, Stürze und Verletzungen könnten die Folge sein. Und Frida tut mittenmang dabei sein. Extrem! So kenne ich das aus ihren Erzählungen. Ein Arztbesuch am nächsten Tag war das mindeste, was auf der Tagesordnung gewesen ist.
Doch in diesem Jahr? Der Rettungswagen der Feuerwehr hat doch tatsächlich vergeblich auf Kundschaft gewartet. Ebenso die Polizei, die nichts Verschärftes aufzuschreiben tun müssen. Nur beschweren haben sich die Uniformierten getan, bei mir, wegen meiner angeblich viel zu voreiligen Warnung, die sie in die Irre geführt hätte. Was denn im letzten Winter gewesen wäre, habe ich die Polizei gefragt, ob sie vergessen hätten, was für ein Tohuwabohu mit etlichen Schwerverletzten die Weihnachtsfeier der Mädels im letzten Winter gekostet hätte?
Inzwischen bin ich in Wandsbek gewesen, um das Corpus Delicti, also die neue, gesundheitlich wertvolle Kunsteisbahn in Augenschein zu nehmen. Und da kann ich nur sagen tun: Das ist ja ein richtig drolliges Ding. Extrem! Denn die Schlittschuhfahrer können auf der Ökobahn ja kaum richtig Fahrt draufkriegen tun. Die gehen auf den weißen Plastik(eis)blöcken geradezu zu Fuß oder wie man besser sagen müsste: zu Schlittschuh.
Wunderbar: Denen, die sich so etwas ausgedacht haben, müsste man den Nobel-Preis verleihen tun. Ich würde vorschlagen, sogar dem Weiher bei uns um die Ecke Kunsteis zu verpassen. Vielleicht sollte man das mit allen Seen in Deutschland machen. Eine Kunststoffdecke, bei der die Eltern keine Angst mehr haben müssten vor kindlichem Leichtsinn: kein Warten auf die lebensrettende Stärke des Eises in weniger frostigen Wintern, kein Übermut beim Eisgleiten, keine Eisrisse im Frühjahr. Sogar die Enten bräuchten beim Landen weniger Obacht geben auf Anomalien im Eis. Vor allem aber: die Ozonschicht wird geschützt, denn die Tiere fänden über der Plastikdecke kein Wasser mehr und könnten nichts mehr trinken tun. Extrem! Sie müssten verdursten und könnten somit keine schädlichen Verdauungsgase mehr an die Atmosphäre abgeben tun.
Vor allem aber: Die Frauen bleiben gesund, so können sie ihre Pflichten erfüllen und den Testosteron-Spiegel ihrer Männer regulieren tun. Das sorgt für Freundlichkeit unter den Menschen. Sogar die Industrieproduktion würde auf diese Weise extrem angekurbelt werden, weil zufriedene Menschen einfach besser und konzentrierter arbeiten tun als unzufriedene.
Hinzu kommt: Das Kunsteis benötigt keine Kühlmaschine, keinen teuflischen Strom, so dass zum Beispiel keine überflüssige Kohle oder Meeröl mehr verfeuert werden muss. Selbst die Windenergieanlagen könnte eine Ruhepause einlegen tun. Und der Raps blüht wieder allein um seiner guten gelben Farbe willen und für unsere urdeutsche Margarine. Extrem!
Was soll uns da der Winter scheren tun? Sollen die Schlittschuhläufer doch zuhause ins Tiefkühlfach ihres Kühlschranks schauen, wenn sie Eis sehen wollen. Wir verantwortungsbewusste Leute tun uns lieber auf das Kunsteis freuen. Soll die plastene kunstfertige Bahn doch leer bleiben, weil die Schlittschuhläufer doch eher rasante Bewegung bevorzugen. Womöglich sehnen sich die Hartcore-Eisläufer nach den Zeiten mit echtem Eis und echter Fahrt und echtem Wumm. Mich persönlich interessiert vor allem, dass meine Frida gesund heimkommen tut von ihrer Weihnachtsfeier in der Schnapsfabrik. Und dafür ist die Plastebahn genau der richtige Dreh.
Ein Hoch auf die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, die der Kunst des Künstlichen so zugetan sind. Niemals mehr möchte ich um meine Frida bangen. So wie die Menschen insgesamt nicht um die Gesundheit ihrer Gefährtinnen und Gefährten bangen mögen.
Ach ja, ein frohes Weihnachtsfest noch, und dass Sie einen guten Rutsch tun. Und passen sie auf ihre Frau (oder ihren Mann) auf.
Herzlich, Ihr Fredo Frischer
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