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Frida und Fredo

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... und ein bisschen Satire

 

Aus dem Leben eines
I d e a l i s t e n

Verehrte Webseiten-Besucher, liebe Leser, seit Ende des Jahres 2010 habe ich, Rüdiger N. Aboreas, das 60. Lebensjahr erreicht. Ich denke, dass es da erlaubt sein sollte, schon einmal Rückschau zu halten. Nein, nicht in einer strengen zeitlich geordneten Biografie, sondern ungeordnet, je nach Laune und Intuition. Hier mal ein Bröckchen, dort mal ein Becherlein. Es Lesen sie weiter.

 Folge 3 - Harzer Impression.

Ölbilder, Aquarelle, Raku-Keramik: Horst Stockdreher in der Galerie dulsArt.

KulturStammtisch
im nächsten Jahr.

Eine wahrhaft frohe Botschaft      21.12.11

Liebe Leser,
     heute, zur Weihnachtszeit, will ich mal als kleinen extremen Neujahrs- oder Weihnachtsgruß von einer wahrhaftig frohen Botschaft berichten. Nämlich davon, dass meine Frida zum ersten Mal seit vielen Jahren von ihrer Weihnachtsfeier aus der Schnapsfabrik heil nach Hause gekommen ist.
     Doch warum ist sie trotz weihnachtlichem Jauchzen im Kreise ihrer Putzkolonne dieses Mal unversehrt geblieben? Man mag es kaum glauben, aber ihre Gesundheit verdankt sie der heiligen Ökologie. Ja, verehrte Leser, Sie haben richtig gelesen: Fridas Unversehrtheit ist das Ergebnis der grünen, der moralapostolistischen Lust, einer extrem großen Kunst, irdische Energie einzusparen, genauer gesagt: wegen der Eiskunst oder besser: wegen Kunsteis!

Fredo kommentiert das Leben und
die Welt
.

Fortsetzung:

Dass es so etwas gibt, hätte ich ja nie zu denken geraten. Vanilleeis oder Schokoeis kenne ich. Aber können Sie sich vorstellen, in der Eisdiele Kunsteis in die Tüte gestopft zu bekommen? Oder künstliche Eiswürfel in die Cola? Ja, ich weiß, die meisten Menschen schlucken sowieso alles. Ich meine jetzt nicht so einen ollen Kunsteiswürfel, obwohl ... Ich meine eher das Leben selbst. Wegen der heimlichen Feigheit und so. Warum soll man sich beschweren, wenn man darauf hoffen darf, dass es andere tun. Da leckt man eben extrem drauflos. Ist ja auch nicht schwer, kommt nur darauf an, aus welchem Material das Kunsteis bestehen tut.

Gleichwohl sind mir viele Künste bekannt, an denen man gewiss nicht lecken tun sollte: Lebenskunst oder Kunstmalerei, auch ein künstliches Hüftgelenk sollte man man wohl verschmähen tun. Oder etwa nicht? Na ja, man hat ja schon so allerhand erlebt. Anders ist es da schon mit dem altbekannten extrem zuckerigen Kunsthonig aus dem Pappbecher. Den habe ich geliebt, als ich noch Kind war. Extrem! Erwachsen geworden, haben sich ganz andere Leck-Erlebnisse eingestellt. Ich denke da vor allem an die Liebeskunst. Aber dazu tut wohl jeder sein eigenes ganz spezielles Verhältnis haben.

Vor Kurzem habe ich auf der großen Kunsteisfläche am Wandsbeker Markt eine Ansage zugehört, die den Nutzern erklärte, dass die „Eisfläche“ fürs Schlittschuhlaufen gedacht sei und nicht, um daran zu lecken. Sollte wohl witzig sein. War es aber nicht, denn es war eine glatte Lüge. Weil es eben keine Eisfläche ist, sondern eine Kunsteisfläche. Und wer will schon daran lecken, zumal gerade diverse Eisläufer auf den Plastikplatten unterwegs waren?

Doch jetzt der Reihe nach: Wie meine Nachforschungen ergeben haben, hat die Gesunderhaltung meiner Frida genau dort an der Eisfläche begonnen. Mitten drin im „Winterzauber“, so wie die schöne weihnachtliche Feier bei uns um die Ecke am Wandsbeker Markt heißen tut. Da tummeln sich normalerweise extrem viele Menschen und Weihnachtsmänner bei allerlei Belustigungen an Buden und Ständen. Leider belustigt sich auch meine Frida nur allzu gerne und ganz extrem im teuren Weihnachtstumult der Leute. Und dies sogar bei schweren Regen und widerlicher Kälte in jedem Jahr mit ihren Kolleginnen von der Putztruppe der Schnapsfabrik.

Dieses Mal sind die Mädels gleich nach der Schicht - das muss so gegen 9:00 Uhr vormittags gewesen sein -  losgezogen. Erst mal zu Schweinske, sich mit einem gnadenvollen Schnitzel oder einer seligen Schweinebacke zu verlustieren. Nun, dass die Frauen dazu ein gesundes weihnachtliches Schnäpschen bevorzugen tun, kann man ja nicht verhindern. Doch dann hat ihr Weg sie auch diesmal zum Budenfest auf den Wandsbeker Markt geführt, wo sie im extremen Schein der beleuchteten Tannenbäume und anderem Lichterglanz erst richtig in Fahrt gekommen sind.

Dabei habe ich tausendmal zu Frida gesagt, sie soll die Flügel am Leib lassen im Kreis ihrer Schnapsdrosseln von der Fabrik. Denn da sind extreme Frauen dabei, die lassen sich schon mal während der Arbeit in eine Schnapstonne fallen, um dann laut kichernd wieder herausgezogen zu werden. „Arbeitsunfall“ tut es dann heißen. Zu guter Letzt tut meine Frida regelmäßig für die krankgeschriebenen Kolleginnen mitarbeiten. Und hinterher ist sie zu viel erschöpft, um für mich eine von ihren köstlichen Mahlzeiten zu kochen.

Der Höhepunkt für die Frauenbande ist seit vielen Jahren die schon beschriebene Eisbahn auf dem Wandsbeker Wintermarkt. Nach unzähligen urgesunden Bechern Glühwein, dem Verputzen von Bratwürsten, Schmalzgebackenem und gebrannten Mandeln. Eigenartig: Manchmal baumeln Frida sogar mehrere Lebkuchenherzen am Hals, wenn sie heimkommt. Da stehen dann Sätze drauf wie: „Für mein Schmusehäschen“ oder auch schon: „Eine Rute für die Pute.“

Diese Lebkuchenherzen hätte sie allein für mich gekauft, lallt sie dann jedes Mal, wenn sie heimkommt. Doch wie kann ich als Mann eine Pute sein? Und warum so viele Lebkuchen? Ich mag mir den Scheiß doch gar nicht reinziehen. Das müsste sie über die Jahre eigentlich schon begriffen haben.

Selbstverständlich hatte ich zu Fridas Sicherheit wie in jedem Jahr die Feuerwehr angerufen, damit die Rettungskräfte mit einem Fahrzeug vor Ort sind, wenn die angeschickerten Weiber aufs Eis gehen tun. Denn nur allzu oft haben die Mädels von der Schnapsfabrik dabei die anderen Schlittschuhläufer von der Eisbahn vertrieben durch ihren extrem eigentümlichen Fahrstil. Bis hin zu Schlägereien und gebrochenen Damenhaxen kann so etwas im Getümmel

führen. Stürmische Kinder, erwachsene Frauen und Männer, fahruntüchtige Idioten, unberechenbare Rennfahrer, Pirouettendreher, jedenfalls, was ich so gesehen habe, wenn ich mal rüber zum Platz bin, um die kostenlosen Toilettenwagen zu bewässern.

Also, das muss man sich dann so vorstellen: Frida und ihre Kolleginnen tun den letzten Cent abdrücken, um sich Schlittschuhe leihen zu tun. Dann geht‘s aufs Eis, um als erstes eine verschärfte Polonäse aufzulegen. Doch anstatt dass die übrigen Eisbahnnutzer sich der fröhlichen Reihe anschließen, flüchten die meisten, doch ein kleiner Rest, oft junge Männer auf ihren Schlittschuhen, scheint die lustige Formation zu ignorieren. Tumulte, Stürze und Verletzungen könnten die Folge sein. Und Frida tut mittenmang dabei sein. Extrem! So kenne ich das aus ihren Erzählungen. Ein Arztbesuch am nächsten Tag war das mindeste, was auf der Tagesordnung gewesen ist.

Doch in diesem Jahr? Der Rettungswagen der Feuerwehr hat doch tatsächlich vergeblich auf Kundschaft gewartet. Ebenso die Polizei, die nichts Verschärftes aufzuschreiben tun müssen. Nur beschweren haben sich die Uniformierten getan, bei mir, wegen meiner angeblich viel zu voreiligen Warnung, die sie in die Irre geführt hätte. Was denn im letzten Winter gewesen wäre, habe ich die Polizei gefragt, ob sie vergessen hätten, was für ein Tohuwabohu mit etlichen Schwerverletzten die Weihnachtsfeier der Mädels im letzten Winter gekostet hätte?

Inzwischen bin ich in Wandsbek gewesen, um das Corpus Delicti, also die neue, gesundheitlich wertvolle Kunsteisbahn in Augenschein zu nehmen. Und da kann ich nur sagen tun: Das ist ja ein richtig drolliges Ding. Extrem! Denn die Schlittschuhfahrer können auf der Ökobahn ja kaum richtig Fahrt draufkriegen tun. Die gehen auf den weißen Plastik(eis)blöcken geradezu zu Fuß oder wie man besser sagen müsste: zu Schlittschuh.

Wunderbar: Denen, die sich so etwas ausgedacht haben, müsste man den Nobel-Preis verleihen tun. Ich würde vorschlagen, sogar dem Weiher bei uns um die Ecke Kunsteis zu verpassen. Vielleicht sollte man das mit allen Seen in Deutschland machen. Eine Kunststoffdecke, bei der die Eltern keine Angst mehr haben müssten vor kindlichem Leichtsinn: kein Warten auf die lebensrettende Stärke des Eises in weniger frostigen Wintern, kein Übermut beim Eisgleiten, keine Eisrisse im Frühjahr. Sogar die Enten bräuchten beim Landen weniger Obacht geben auf Anomalien im Eis. Vor allem aber: die Ozonschicht wird geschützt, denn die Tiere fänden über der Plastikdecke kein Wasser mehr und könnten nichts mehr trinken tun. Extrem! Sie müssten verdursten und könnten somit keine schädlichen Verdauungsgase mehr an die Atmosphäre abgeben tun.

Vor allem aber: Die Frauen bleiben gesund, so können sie ihre Pflichten erfüllen und den Testosteron-Spiegel ihrer Männer regulieren tun. Das sorgt für Freundlichkeit unter den Menschen. Sogar die Industrieproduktion würde auf diese Weise extrem angekurbelt werden, weil zufriedene Menschen einfach besser und konzentrierter arbeiten tun als unzufriedene.

Hinzu kommt: Das Kunsteis benötigt keine Kühlmaschine, keinen teuflischen Strom, so dass zum Beispiel keine überflüssige Kohle oder Meeröl mehr verfeuert werden muss. Selbst die Windenergieanlagen könnte eine Ruhepause einlegen tun. Und der Raps blüht wieder allein um seiner guten gelben Farbe willen und für unsere urdeutsche Margarine. Extrem!

Was soll uns da der Winter scheren tun? Sollen die Schlittschuhläufer doch zuhause ins Tiefkühlfach ihres Kühlschranks schauen, wenn sie Eis sehen wollen. Wir verantwortungsbewusste Leute tun uns lieber auf das Kunsteis freuen. Soll die plastene kunstfertige Bahn doch leer bleiben, weil die Schlittschuhläufer doch eher rasante Bewegung bevorzugen. Womöglich sehnen sich die Hartcore-Eisläufer nach den Zeiten mit echtem Eis und echter Fahrt und echtem Wumm. Mich persönlich interessiert vor allem, dass meine Frida gesund heimkommen tut von ihrer Weihnachtsfeier in der Schnapsfabrik. Und dafür ist die Plastebahn genau der richtige Dreh.

Ein Hoch auf die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, die der Kunst des Künstlichen so zugetan sind. Niemals mehr möchte ich um meine Frida bangen. So wie die Menschen insgesamt nicht um die Gesundheit ihrer Gefährtinnen und Gefährten bangen mögen.

Ach ja, ein frohes Weihnachtsfest noch, und dass Sie einen guten Rutsch tun. Und passen sie auf ihre Frau (oder ihren Mann) auf.

Herzlich, Ihr Fredo Frischer